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Kirchenbau

Vorgeschichte

Mit der zunehmenden Industrialisierung in der 2. Hälfte des 19. Jhs. Ist gleichzeitig ein Anwachsen der Einwohnerzahl von Fürth festzustellen.

Vorwiegend dem Arbeiterstand angehörige Schichten bildeten innerhalb der neuen Sozialstruktur der Fürther Bevölkerung einen großen Anteil. Die “Landflucht” machte sich auch in der jungen bayrischen Stadt bemerkbar. Die neuen Gruppierungen in Fürth entstammten z.T. aus agrarischen Gebieten, in der die katholische Konfession überwog. Fürth war nach der Einführung der Reformation wie Erlangen und Ansbach protestantisches Territorium geworden.

Bildeten um 1800 die 407 Katholiken in Fürth (wobei die Zahl die umliegenden Randbezirke mit einschließt) die Minorität, so schnellte ihre Zahl um 1890 auf ca. 11.000 hoch und verdoppelte sich annähernd noch um die Jahrhundertwende. Die im Jahre 1828 von dem kgl.-bayer. Hofbauinspektor C.J. Brüger errichtete Stadtpfarrkirche Unsere Liebe Frau -räumlich nur für 500 Gläubige gedacht- konnte das explosionsartige Ansteigen der zugezogenen Katholiken nicht mehr bewältigen.

Die Gründung eines Kirchenbauvereins stellte somit eine Notwendigkeit dar.

Planung

Im Gesellenhospiz (Kolpinghaus) wurde im Jahre 1899 die Planung einer zweiten katholischen Pfarrkirche in Fürth ins Auge gefasst. Dank eifrigen Sammelns durch Stadtpfarrer Stenger konnte an eine Finanzierung des Bauplatzes gedacht werden. Die Planung der neuen Kirche sollte der Nürnberger Kirchenbaumeister Prof. Josef Schmitz übernehmen. Schmitz legte daraufhin dem Kirchenbauverein 1902 seine Planskizzen vor, die eine Kirche im neuromanischen Stil zeigten. Die Entwürfe hatten den Vorstand des Kirchenbauvereins so überzeugt, dass dieser gleich schon vorab Postkarten drucken ließ. Dass Schmitz schließlich den begehrten Auftrag doch nicht erhielt, hatte wohl als Ursache, dass die veranschlagte Bausumme von 400.000 Mark die finanziellen Mittel des Kirchenbauvereins bei weitem überschritt.

Auf dem ehemaligen Reitplatz der nahegelegen Artilleriekaserne im Süden der Stadt, an der Ecke Kaiser-Sonnenstr., war der Magistrat der Stadt im Februar 1903 gewillt, einen Bauplatz freizugeben. Der Vorstand des Bauvereins gab in seiner Sitzung am 25. Aug. 1905 seinen Mitgliedern bekannt, dass der Münchner Architekt Hans Schurr einen Kostenvoranschlag von 200.000 Mark vorgelegt hätte, womit sich der Kirchenbauverein vorerst einverstanden erklärte. Zwei Rohentwürfe

“eine 65 m lange dreischiffige, gotische Kirche und eine kleinere einschiffige Hallenkirche im leichten Bauentwurf” wurden vorgelegt. Die obere Baubehörde lehnte beide Entwürfe ab, da sie ihrer Meinung nach nicht in das Stadtbild einer aufstrebenden Fabrikstadt passten. Es sollte auch keine Konkurrenz zu der in reiner “Baumeistergotik” errichteten evangelischen St. Paulskirche (mit der wir heute in bester ökumenischen Zusammenarbeit leben) darstellen.

Schurr sollte eine mit neubarocken Formen erstellte Kirche präsentieren. Der Architekt änderte seine Pläne, und konnte sogar seine Kosten um weitere 30 000 Mark senken, so dass die Finanzierung nur noch 170 000 Mark betrug. Da das Vermögen des Bauvereins zu diesem Zeitpunkt aber nur 70 000 Mark betrug, mussten die Pläne nochmals geändert werden. Der Verzicht auf Säulen an den Stirnseiten des Querhauses, eine Galerie an der Nordseite des Turmes und eine in konvexen und konkaven Schwingungen verlaufende Fassade, erbrachten nochmals eine Ersparnis um 30 000 Mark.

Somit stand finanziell dem Bau der Kirche nichts mehr im Wege.

Namensgebung

Da sich die Grundsteinlegung durch Verhandlungen mit der Baubehörde immer wieder verzögerte, wandte sich das katholische Stadtpfarramt am 14. Dez. 1906 in den “Bamberger Blättern” mit folgender Weihnachtsbitte an die Öffentlichkeit:

“Die 900 jährige Jubelfeier der Diözese des Heiligen Kaisers Heinrich steht bevor. Klerus und Volk rüsten sich zu den kirchlichen Festlichkeiten des Jahres 1907. Neben dem in der ehrwürdig schönen Bischofstadt Bamberg zu gründenden Erinnerungszeichen soll auch draußen im Erzbistum ein in ferne Zeiten ragendes Jubiläums-Denkmal gesetzt werden durch Erbauung einer einfachen, aber würdigen St. Heinrichskirche in Fürth. Die feierliche Grundsteinlegung durch seine Erzbischöfliche Exzellenz ist für das kommende Frühjahr geplant. Es ist hohe Zeit, in der aufwärtsstrebenden Industrie- und Handelsstadt Fürth ein zweites katholisches Gotteshaus zu errichten.”

Grundsteinlegung

Mit der Allerhöchsten Genehmigung der kgl.-bayer. Regierung vom 22. April 1908 wurde endlich der Bau der Kirche freigegeben.

Am Sonntagmorgen, den 15. Nov. 1908, zwei Jahre nach der Weihnachtsbitte in den Bamberger Blättern, fand endlich die Grundsteinlegung der St. Heinrichskirche in Fürth statt. Die Feier zelebrierte Domkapitular Karl Hümmer anstelle des erkrankten Bamberger Erzbischofs Philipp von Abert. Zunächst erfolgte die Weihe des hochaufgerichtete Kreuzes, dann der Grundstein selbst und anschließend die Fundamente. Im Anschluß daran las Stadtpfarrer Steger die für den Grundstein bestimmte Urkunde vor.

“ Im Namen des Dreieinigen Gottes!

Urkunde.

Im Jahre des Heiles 1908, am Sonntag, den 15. November als Papst Pius X. die Kirche regierte und Prinz Luitpold von Bayern anstelle des Königs Otto I. die Verwesung des Königreichs Bayern führte, wurde im Namen und Auftrag des Erzbischofs von Bamberg Dr. Friedrich Philipp von Abert durch Dr. Karl Hümmer, Domkapitular, Königl. Geistl. Rat, die Grundsteinlegung zu dieser St. Heinrichskirche in feierlicher Weise vollzogen.”

Nach der Verlesung wurde die Urkunde mit einigen Münzen und zwei Fürther Tagesblättern in eine Blechkassette gelegt. Diese fand in dem dafür vorgesehenen Ausschnitt des granitenen Grundsteins Platz, der durch eine mit goldenem Kreuz gezierte Marmorplatte verschlossen wurde. Zusätzlich bedeckte man diese mit einer Abschlussplatte aus Granit. Die darauffolgenden Hammerschläge krönten den festlichen Akt.

Bauzeit

Nach der Grundsteinlegung am 15. Nov. 1908, konnten noch vor Wintereinbruch die Fundamente und der Sockel der Kirche erstellt werden. Mitte April 1909, nach knapp fünf Monaten Winterruhezeit, nahm man die Arbeiten wieder auf. Die Sommermonate mit einer äußerst günstigen Witterung erlaubten es, dass die Umfassungsmauern und der größte Teil des Turmes errichtet werden konnten.

Durch eine Konstruktionstechnik mit schweren Eisenträgern konnte das Dach noch vor dem ersten Schnee eingedeckt werden. Ebenso wurde im selben Jahr noch die ornamentale Stuckierung der äußeren Giebelfelder vollendet. Im Frühjahr 1910 ging der Kirchenbau weiter. Am 20. Mai 1910 an einem Freitag trafen die vier Glocken ein. Die Fürther Tageszeitung berichtet einen Tag später: “ Die feierliche Überführung der Glocken wird am Montag Vormittag erfolgen. Das Geläute der übrigen Kirchen wird ihre neuen Schwestern auf dem Wege zu ihrem Heim begrüßen.” Am 23. Okt. 1910 war dann der Kirchenbau soweit fertig, dass die feierliche Einweihung vollzogen werden konnte.

Einweihung

Am 23. Oktober 1910 wurde die feierliche Einweihung der St. Heinrichskirche, durch den Bamberger Erzbischof Dr. Friedrich Philipp von Abert, vollzogen. In der zur Kapelle umgewandelten Bauhütte neben der Kirche wurde von dem Erzbischof die Monstranz mit dem Allerheiligsten für die Nacht untergebracht, welche junge Burschen für das am nächsten Morgen zu erwartende Zeremoniell bewachten.

Zu diesem so bedeutenden Ereignis schrieb der Fürther Zentralanzeiger am 24. Okt. 1910:

“Ein freundlicher Oktobertag war angebrochen, als um die Kirche, die mit dem Turm in leuchtendem Weiß in die Lüfte strebt, gestern vormittags ein reges Leben begann.

Rings säumte den Platz ein Wald von Masten ein, auf denen sich stolz im Winde Fahnen in den bayerischen, deutschen, päpstlichen und städtischen Farben blähten.

Gegen dreiviertel Acht - 7.45 Uhr - langt, begleitet von der Hauskapelle des Kathol. Gesellenvereins, unter Vorantritt einer Schar weißgekleideter Mädchen, ein Zug an, der das Ortskartell Katholischer Arbeitervereine mit insgesamt 6 Fahnen umfasste. Bald darauf nahte Erzbischof von Abert, den das neue Automobil des Herrn Brauereibesitzers Evora an den Platz gebracht hatte.

Zum Empfang des greisen Kirchenfürsten und während die Exzellenz am Ort der Reliquien betete, sang die Menge unter Musikbegleitung einen Choral mit den Endzeilen: “Gott wir loben Dich, Gott wir preisen Dich!” Anschließend erfolgte in der dichtgefüllten St. Heinrichskirche das erste Pontifikalamt, das von dem Erzbischof selbst zelebriert wurde. Als Ehrendiakone amtierten Stadtpfarrer Stahl von der Herz-Jesu-Kirche in Nürnberg sowie Geistlicher Rat Hauck. Die feierliche Ansprache hielt Stadtpfarrer Stenger, dessen jahrelanges Bemühen um eine zweite katholische Kirche in Fürth durch deren Einweihung seinen krönenden Abschluss fand.”

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